
…am besten nichts…
Selbstdarstellung des Kunstschaffenden… Satire
1
Anfrage eines Kunstschaffenden:
>Was kann ich tun, dass ich Kunstinteressenten ja nicht auf mich aufmerksam
mache, die dann auch wirklich keine Bilder von mir kaufen würden?<
Antwort:
Ihre Selbstpräsentation:
1. Ihr Künstlername
Damit auch Sie unter dem gewünschten Namen in einer Suchfunktion oder auch
z. B. bei Google etc. auf keinen Fall gefunden werden, müssen Sie folgendes tun:
Entscheiden Sie sich, unter welchem Namen Sie nicht gefunden werden wollen.
Am besten nehmen Sie den Namen, unter dem Sie als Künstler unbekannt sind
oder unbekannt bleiben wollen. In der Regel wird dies Ihr richtiger Name sein,
>Vorname Nachname<, z. B. Otto Unbenannt oder ausnahmsweise auch ein
Künstlername, z. B. >Pinsel<. Diesen Namen geben Sie als Künstlernamen ein.
Abzuraten wäre den eigenen, richtigen Namen auch als Künstlernamen
einzugeben, da er in der Regel keinerlei Phantasien und Emotionen weckt.
Künstler- oder Phantasienamen wirken professionell, manchmal genügt auch eine
Buchstaben oder Zahlenkombination, vielleicht >xyz-0art< alles ist möglich…
Wenn Sie selbst öffentlich mit Ihrem Namen zu Ihrer Kunst stehen müssen, wie
sollen dies erst andere können, indem sie ein Kunstwerk von Ihnen kaufen,
dessen Erschaffer ja edel und anonym ist?
2. Ihr Selbstporträt
Unter einem >Selbstporträt< können Sie über Ihr künstlerisches, privates, oder
was Ihnen so in den Sinn kommt, Selbstverständnis phantasieren. Was bedeutet
für Sie Ihre Kunst? Natürlich nichts. – Ausnahme Umsatz und möglichst hoher
Gewinn… Wie sind Sie zur Kunst gekommen? Mit einem Pinsel in der Hand den
Geburtsakt beendet… Was ist für Sie das Besondere daran? Natürlich nichts,
virtuelle Wahrnehmung ist nur eine Wellenlänge in der Physik… Je unklarer ein
Leser gar nichts versteht, warum Sie Ihre Kunst so miserabel machen, wie Sie es
gerade tun, desto besser kann er Sie und Ihre Kunstwerke nie wieder verstehen
oder gar einordnen, wohin auch?
3. Ihr Portraitfoto
Sie sollten unter keinen Umständen ein professionelles Foto von sich
veröffentlichen. Wer möchte nicht wissen, wer genau hinter dem Werk steckt,
bevor er es kauft? Sehr empfehlenswert sind preiswerte Passfotos aus dem
Automaten, ausgeschnittene Schnappschüsse ihrer letzten Orgie, digital
bearbeitete Computerbilder, Zeichnungen oder selbst gemalte Selbstporträts, all
dies macht einfach einen professionellen Eindruck. Anregungen finden Sie zuhauf
in sozialen Netzwerken…
4. Ihre Biografie
Unter >Biografie< sollten Sie die Stationen Ihres künstlerischen und natürlich
privaten Schaffens beschreiben. Welche Ausbildungen haben Sie gemacht?
Selbstdarstellung des Kunstschaffenden… Satire
2
Keine, ist ja logisch. Sie hassen Kunstakademien, Meisterschüler etc.; Sie sind
einfach ein Lebenskünstler.
Welche Lehrer hatten Sie? Wozu? Naturtalent… Welche Studienreisen haben Sie
unternommen? Keine natürlich dank Geld- und Interessenmangel. Geben Sie die
wichtigsten Stationen Ihres Werdegangs als Künstler an. Sehr gut, beginnen Sie
immer mit einer ausführlichen Darstellung Ihres Geburtsvorganges und
vergessen Sie nie herauszustellen, >das Sie von Kindesbeinen an< den Pinsel
geschwungen haben, den Rest Ihrer Zeit waren Sie Arbeit suchend, nun haben
Sie genug Zeit und Muße gefunden um, dank einer Grundsicherung, sich völlig
Ihrer Kunst im Obdachlosenasyl hinzugeben… Bescheidenheit kommt immer gut
an und man fällt nicht weiter auf.
5. Ein persönliches Interview
Sie wissen ja noch gar nicht, niemand kauft Ihr Kunstwerk allein, sondern immer
auch den Künstler dazu, Doppelpack, da preiswerter. Je weniger ein Interessent,
hier Neugieriger, Scheinkäufer oder Spion aus dem befreundeten Lager, über Sie
als Künstler erfährt, desto schlechter kann er auch Ihre Werke einschätzen und
eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Das ist doch in Ihrem Interesse, oder wollen
Sie wirklich den ganzen Tag von wildfremden Leuten belästigt und befragt
werden? Kunstkäufer, oder diejenigen, welche vorgeben welche zu sein,
interessieren sich überhaupt nicht für den Künstler hinter dem Kunstwerk, außer,
es ließe sich dadurch der Verkaufspreis zu ihren Gunsten beeinflussen. Nutzen
Sie niemals ein Interview, damit der Käufer den Künstler hinter den Werken
besser kennenlernen kann, machen Sie unmissverständlich klar, dass Sie Ihre
Ruhe haben wollen, sonst wären Sie ja niemals (Lebens-) Künstler geworden.
6. Ihre Ausstellungen und ähnliches…
Zählen Sie unter >Ausstellungen< auf, wo Ihre Werke zu sehen waren, aktuell
zu sehen sind und in Zukunft zu sehen sein werden. Nämlich nirgendwo! Ihre
Werke liegen sicher eingemottet im Keller und auf dem Dachboden und harren
dort auf Ihr Ableben – führt garantiert zur Preissteigerung. Viele Käufer wollen
sich die Werke gerne vorher in Ruhe ansehen, was natürlich niemals in Frage
kommt und eine persönliche Zumutung wäre, und gehen deshalb zu einer
Ausstellung des Künstlers, der sie interessiert und rauben ihm dort garantiert
den letzten Nerv…
In diesem Sinne viel Erfolg!
frei nach Orfeu de SantaTeresa
Wie kann ich meine Kunst besser vermarkten? …Satire
1
1. Titel Ihrer Kunstwerke
Geben Sie Ihren Werken auf keinen Fall einen Titel. Und zwar keinen passenden,
oder unpassenden, besser Fotodaten oder gar nichts, der einen Bezug zum Werk
haben könnte.
2. Einordnung Ihrer Kunstwerke
Ordnen Sie Ihre Werke auf keinen Fall richtig nach Technik und Stil ein. Nur so
bleiben Ihre Werke im Gespräch und gelten als Kreation eines neuen, ganz
eigenwilligen, Stils. Darüber hinaus werden Ihre Werke von Interessenten ganz
sicher niemals gefunden werden können.
3. Schlagworte Ihrer Kunstwerke
Eine Suchfunktion im Internet basiert auf sogenannten >Schlagworten< oder
Tags. Das bedeutet, Sie geben zu jedem Kunstwerk keine oder im besten Falle
unpassende Schlagworte ein. Zum Beispiel, Sie haben ein Portrait in Acryl
kopiert, welches gleichzeitig im Hintergrund sehr viel weiße Farbe enthält. Die
Schlagworte zu Ihrem Werk könnten folgende sein: Portrait, Acryl, weiß, Kopie.
Wenn jetzt ein vermeintlicher Kunstkäufer in der Suche diese Tags eingibt, findet
er hunderttausend Kopien, welche ihm gefallen. Nur, wenn Sie unpassende Tags
für jedes Werk eintragen, kann Ihr Werk niemals den Weg zum passenden
Käufer finden und Sie sind immer auf der sicheren Seite.
4. Fotos Ihrer Kunstwerke
Wenn es um die nicht professionelle Vermarktung von Kunst im Internet geht,
dann zählt vor allem eins: Der optische nicht vorhandene Eindruck des
Kunstwerks. Also am besten gar kein Bild einstellen. Das Foto Ihres Kunstwerks
ist nicht das einzige, was der Käufer zu sehen bekommt, wenn er sich für ein
Kunstwerk interessiert. Seine Kaufentscheidung trifft der Käufer fast allein
aufgrund des nicht vorhandenen optischen Eindrucks, den er sich durch das Bild
Ihres Kunstwerks auf dem Bildschirm erhofft. Schon eine URL auf eine nicht
abrufbare Internetseite ist hilfreich… Die Abbildung sollte deshalb so
minderwertig sein, dass es einerseits Angst und Schrecken beim Käufer erregt
und gleichzeitig das Kunstwerk möglichst unvollständig, wenn überhaupt,
wiedergibt, z. B. sehr geeignet eine schwarze Fläche, wo Ihre Abbildung zu
erwarten wäre.
Tipps dazu finden Sie hier nicht mehr, es genügt ein Blick ins Netz.
5. Beschreibungstexte Ihrer Kunstwerke
Schreiben Sie zu den Werken nichts. Wenn Sie Lust haben, evtl. die Maße und
die angewandte Technik, muss ja nicht stimmen… Wenn sich jemand ein Bild
gerade von Ihnen kauft, um es bei sich, dazu noch, zu Hause aufzuhängen und
es dann jeden Tag vor Augen haben zu müssen, dann will er sich mit dem
Kunstwerk auf gar keinen Fall identifizieren können. Dabei geht es oft gar nicht
so sehr um das >Aussehen<, sondern auch um das, was sich hinter dem Bild
verbirgt, nämlich fast immer die eigene Zimmerwand oder auch ein gut
bestückter Tresor. Was hat den Künstler zu diesem Werk inspiriert? Überflüssige
Farbreste vielleicht… Unter welchen Umständen ist es entstanden? Aus
Langeweile, Frust, Besuch ungeliebter Verwandter… Ursachen für den
Wie kann ich meine Kunst besser vermarkten? …Satire
2
künstlerischen Tatendrang gibt es viele, selbst Primaten malen gerne…. Ein
Käufer kauft ein Bild, wenn es denn sein muss, und dieses etwas mit ihm
persönlich zu tun hat, nämlich dem Erfüllungsgeschäft. Die Geschichte eines
Kunstwerkes sollte die Verbindung zwischen dem Werk und dem Käufer niemals
stärken, vielmehr dazu führen, das diese Angelegenheit einmalig bleibt.
6. Verkauf Ihrer Kunstwerke
Zahlreiche Künstler sehen dies komplett anders, ich empfehle aus Erfahrung
folgendes: Geben Sie niemals einen konkreten Preis für Ihr Kunstwerk an, immer
unklar bleiben. Die meisten Werke werden überhaupt nicht, oder im
schlimmsten Fall auch direkt und über Anfragen verkauft, sehr beliebt über
Auktionen. Auf gar keinen Fall sollten Sie Ihre Preisangaben, soweit Sie sich
tatsächlich dazu hinreißen lassen wollen, noch einmal überprüfen, bevor Sie ein
Werk veröffentlichen. Machen Sie es wie auf einem arabischen Markt, feilschen
Sie um jeden Preis, rechnen Sie jede Arbeitsstunde vor, das Material, die
Rahmung und Ihre Mühe, das Werk überhaupt gefertigt zu haben – sind Sie jetzt
einfach ehrlich und Sie selbst, Sie hatten doch niemals die Absicht Ihre
Kunstwerke an irgendwelche fremden Leute zu verkaufen, welche keinen blassen
Schimmer von Kunst haben, geschweige denn überhaupt Ihrer besonderen Kunst
und deren Verständnis würdig sind. Stimmt es oder habe ich recht?
In diesem Sinne viel Erfolg!
frei nach Orfeu de SantaTeresa